Cloud-Browser: Mit Hilfe der Cloud sicher und anonym surfen

Cloud-Browser sind eine interessante Alternative, wenn es um mehr Privatsphäre im Internet und um den Schutz vor Malware geht. Im Vergleich zu VPNs gibt es aber auch Nachteile.

Die Diskussionen über die persönliche Privatsphäre werden deutlich intensiver geführt, seit immer mehr Firmen und Regierungen versuchen, soziale Netzwerke und verschlüsselte Verbindungen unter ihre Kontrolle zu bringen.

Als Ergebnis werden neue Tools entwickelt und vermarktet, die wieder für mehr Privatsphäre und sogar für Anonymität sorgen sollen. Gerade letzteres wird von vielen Menschen benötigt, um sich vor Missbrauch durch andere zu schützen. In zahlreichen Ländern ist Anonymität im Internet eine Frage des Überlebens, insbesondere dann, wenn sie die Identität von jemandem verbirgt, der ein Regime offen oder verdeckt kritisiert.

Es gibt viele verfügbare Tools, die zumindest ein wenig Anonymität versprechen. Jedes hat seine individuellen Vor- und Nachteile.

Ein privates VPN (Virtual Private Network) ist zum Beispiel für viele Menschen ein leicht zugängliches und einfach zu nutzendes Werkzeug. Die meisten VPN-Anbieter setzen jedoch auf bezahlte Abonnements. So ganz anonym sind diese Dienste also nicht. In den meisten Fällen haben die Provider außerdem Zugang zu den gesamten Online-Aktivitäten der Nutzer.

Ein weiterer Nachteil von VPNs ist, dass sie von vielen Ländern und Organisationen blockiert werden. Neben diesen Einschränkungen ist es außerdem möglich, dass ihre Nutzung protokolliert und gezielt untersucht wird. Sie können also den Fokus erst recht auf kritische Personen lenken.

Eine weitere Option, um anonym auf das Internet zugreifen zu können, ist das Dark Web. Das ist aber eine komplexe Umgebung, die nicht so leicht zu beherrschen ist. Das Dark Web ist zudem voll von schädlichen Inhalten. Außerdem lässt es sich vom Durchschnittsanwender weder schnell noch leicht nutzen. Eine interessante Entwicklung der vergangenen Jahre zur Förderung der Anonymität im Web sind die so genannten Cloud-Browser.

Der Cloud-Browser

Cloud-Browser oder auch Remote Browser sind Teil einer Cloud-Plattform in einem entfernten Rechenzentrum. Sie arbeiten dabei ähnlich wie ein Proxy zwischen dem Anwender und dem Web. Ein Endnutzer fordert beim Cloud-Browser eine Webseite an, die dieser wiederum beim Zielserver anfragt. Anschließend leitet er das Ergebnis weiter.

Der einzige Datenverkehr, der dabei den Endnutzer erreicht, ist ein gestreamtes Bild der gewünschten Webseite und nicht der eigentliche Code der Webseite selbst. Der Betreiber der Webseite sieht also nur eine von der Cloud-Plattform ausgehende Anfrage und kann nicht nachverfolgen, woher die eigentliche Anfrage gekommen ist. Dadurch handelt es sich um eine verlässliche Methode, um die Anonymität der Nutzer gegenüber den Inhalte-Anbietern zu gewährleisten. Aus Sicht der Anwender hat ein solcher Dienst aber auch Nachteile. So kommt es durch den doppelten Umweg bei der Übertragung der Daten zu einer Verzögerung.

Es gibt bereits kommerzielle Produkte in diesem Umfeld, die unter anderem von Cisco Systems, Authentic8 und Citrix stammen. Meist sind sie mit einer Abo-Gebühr verbunden, da der Anbieter die Daten im Auftrag des Endnutzers verarbeitet und weiterleitet.

Dazu kommt eine Handvoll von kostenlosen Cloud-Browsern wie Maxthon 5. Er wird von Maxthon International entwickelt und angeboten, einer chinesischen Softwarefirma mit Sitz in Peking.

Sicherheitsvorteile von Cloud-Browsern

Es gibt noch weitere Vorteile, wenn Cloud-Browser genutzt werden. Der wichtigste ist, dass der Nutzer damit effektiv vor schädlichem Code geschützt werden kann, da er zu keinem Zeitpunkt direkt Daten von der gewünschten Webseite erhält. Jeglicher Schadcode wird auf dem Zwischensystem in der Cloud aufgerufen und dort verarbeitet.

Selbst wenn der Code es schafft, einen Schaden auf den stark abgesicherten Cloud-Maschinen anzurichten, sieht der Anwender doch weiterhin nur eine gestreamte Version der Browser-Session. So ist er vollständig vor Schaden geschützt. Das bedeutet, wenn viele Unternehmen in Zukunft auf den Einsatz von Cloud-Browsern setzen würden, dann könnte sich damit die Gefahr durch Malware erheblich reduzieren lassen.

Ein weiterer Vorteil bei der Nutzung von Cloud-Browsern ist aus Firmensicht, dass sich damit die komplette Kontrolle über die Aktivitäten der Nutzer im Internet ausüben lässt. Mit nur einem Klick könnte ein Admin zum Beispiel den Zugriff auf soziale Netze wie Facebook oder Streaming-Seiten wie Youtube blockieren. Dann müssen auch keine Access-Listen in Firewalls oder Proxy-Servern mehr gepflegt werden.

Aber sind Cloud-Browser auch wirklich vertrauenswürdig?

Wenn Einzelpersonen Anonymität im Internet haben wollen, dann sind Cloud-Browser durchaus eine gute Option. Sie werden aber auch häufig von großen Unternehmen genutzt, um ihre Endpoints zu schützen. In diesem Fall sollten die Nutzer nicht erwarten, dass sie damit Anonymität erhalten. Meist haben die Unternehmen diese Dienste nicht abonniert, um Anonymität für ihre Mitarbeiter zu garantieren. Im Gegenteil, es ist sogar wahrscheinlich, dass der Anbieter Zugriffslogs speichert und sie gegebenenfalls auch dem Auftraggeber zur Verfügung stellt.

Einzelpersonen, die Cloud-Browser nutzen wollen, werden meist dafür zahlen müssen. Das ist vergleichbar mit der Situation, wenn sie sich bei einem kommerziellen VPN-Anbieter anmelden wollen.

Wenn Anonymität aber trotzdem eine der gewünschten Funktionen ist, dann sollte vorher ausführlich geprüft werden, ob der Anbieter des Cloud-Browsers Log-Dateien über die Nutzung in seiner Plattform speichert. Die meisten VPN-Provider versprechen genau dies, also dass sie keine Daten über die Nutzung ihrer Dienste aufzeichnen. Bei den Anbietern von Cloud-Browsern ist dies aber noch nicht üblich. Wenn Nutzungsprotokolle angelegt werden, ist es wichtig zu wissen, vor wem sie geschützt werden müssen und wo sie gespeichert werden.

Ein Cloud-Browser ist durchaus ein geeignetes Tool, um Anonymität im Web zu erreichen. Er ist leicht zu nutzen und hat eindeutige Vorteile, wenn es um den Schutz vor Malware geht. Am besten sollte der Dienst jedoch zuerst ausgiebig getestet werden, um festzustellen, wie gut oder schlecht er in der jeweiligen Umgebung funktioniert. Die Performance ist unter anderem davon abhängig, wo sich das Cloud-Rechenzentrum befindet und wie schnell die Internetverbindung dorthin ist.

Wie bei einem guten VPN-Dienst ist jedoch auch ein verlässlicher Cloud-Browser nicht umsonst zu bekommen. Einer der Vorteile eines VPNs ist, dass auch anderer Traffic wie etwa vom Mail-Client die Identität des Nutzers nicht versehentlich verraten kann. Ein Virtual Private Network schützt allerdings nicht vor schädlichem Code. Aus diesen Gründen ist es wirklich eine Frage der jeweiligen Prioritäten, welches der beiden Angebote sich für eine bestimmte Situation besser eignet.

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Artikel wurde zuletzt im November 2018 aktualisiert

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