Neue HP-Unix-Version kurz vor dem Launch

v3 – virtualisiert und flexibilisiert

19.02.2007 | Redakteur: Ulrike Ostler

HP-UX 11i v3; Foto: Hewlett-Packard

Drei Jahre hat Hewlett-Packard für die Version 3 des Unix-Betriebssystems HP-UX 11i gebraucht. Nun ist auch der Kernel geändert und das neue HP-Unix, das auf Itanium Integrity Servern und PA-Risk HP 900 läuft, bietet mehr Sicherheit, mehr Leistung, Multi-Pathing und die Verwaltung weiterer Betriebssysteme.

Weltweit zählt Hewlett-Packard rund 500.000 installierte HP-UX-Lizenzen. Jetzt darf die Kundschaft ab Ende Februar mit der Auslieferung von HP-UX 11i v3 rechnen.

Die Ankündigung erfolgt im Rahmen einer „64-Bit Computing Offensive“, zu der auch die Vorstellung von Integrity Blades, einem Integrity-Server-Einstiegsmodell und Erweiterungen für HP-UXi v2 zählen.

Die neue Betriebsystemversion erlaube in Kombination mit den Integrity-Rechnern „BL860c“ und „rx2660“ eine doppelte Anzahl an Prozessen, erweitere Dateigrößen, ein größeres Volumen des Logical Volume Manager (LVM) sowie eine höhere Anzahl logischer Einheiten. Im Vergleich zur Vorgängerversion soll 11i v3 eine 35prozentige Performance-Steigerung vorweisen können.

Das Betriebssystem ist abwärtskompatibel für Anwendungen auf Integrity und HP-9000-Servern. Das Upgrade von der Vorgängerversion HP-UX 11iv2 kann als Neuinstallation oder als Update erfolgen.

Geburtswehen

Das HP-Unix 11i v3 hatte eine schwere Geburt, denn es gab eine Reihe von unerwarteten Hindernissen. Immerhin war das Upgrade schon einmal für 2003 angekündigt gewesen. Das Beteriebssystem sollte schon damals sowohl auf PA-Risk- und Itanium-Systemen laufen können.

Zum Teil ist die Verschleppung auf die verzögerte Auslieferung der Itanium-Chips von Intel zurückzuführen. Ein anderer Teil basiert auf dem Versuch, das Dateisystem „TruCluster“, das ein wesentlicher Bestandteil des 64-Bit-Unix von Compaq war, für diese Version nutzbar zu machen.

Im Jahr 2005 schließlich stoppte HP alle derartigen Integrationspläne und baute die vorgesehenen Virtualisierungs- und System-Management-Feature in das v2-Release ein. Außerdem wurde die Version Itanium- und PA-Risk-kompatibel.

Ein weiterer Grund für die verspätete Auslieferung mag sein, dass HP den Kernel verändert hat. Die US-Publikation IT-Jungle zitiert dazu Mel Lewandowski, bei HP zuständig für das Unix-Produktmarketing: „Wenn man dem Kernel eine neue Architektur verpasst, gibt es eher die Chance auf Restrukturierung – kurz- und langfristig – als bei einem Schnellschuss.“

Schlaglichter

Tatsächlich wartet das HP-UX-Release mit einer Reihe von Neuerungen auf. Die Vorgängerversion war dafür kritisiert worden, dass das Partionieren in virtuellen Server-Umgebungen zu statisch sei. Das betrifft nPar-Hardware-Partitionen und virtuelle Partinionen vPar, die von der PA-Risk-Superdome-Plattform auf alle Itanium-basierte Integrity-Server, auf denen HPUX 11i v2 portiert wurden.

Jetzt müssen, um die Last von einer Partition zur nächsten zu schaufeln, dutzende von Parametern angepasst werden. Außerdem ist ein Reboot des Systems erforderlich.

Nun sind die Zeiten, da Administratoren dafür Skripte verfassen mussten, vorbei. Die aktuelle Version erlaubt ein Provisioning durch Regeln. Zudem soll es flexibler zugehen; System und Partitionen lassen sich ändern, ohne offline gehen zu müssen. Das System verfügt zudem über eine Web-basierte Schnittstelle, so dass Administratoren Konfigurationen und Fehleranalysen zentrale und komfortabel vornehmen können.

Außerdem hat HP das Ein- und Ausgabe-System (I/O) wesentlich verändert, so dass die die Fähigkeiten zum dynamischen Multipathing zugenommen haben. Wenn Lasten über die Prozessoren verteilt werden, dann sind die in die I/O-Subsysteme einbezogen, denn auch diese wurden virtualisiert. Jetzt ist es möglich, die Daten über verschiedene Pfade zu den Ein- und Ausgängen von I/O-Devices zu schicken. Das sorgt für mehr Belastbarkeit.

Scheinbar langweiliger, aber für Administratoren und IT-Manager wichtig, lässt sich etwa dank der Hochverfügbarkeits-Funktionen die Downtime reduzieren. Hierzu gibt nicht nur das PCI I/O-Recovery, und den Austausch und das Einfügen von Prozessoren und Speichermodulen im laufenden Betrieb, das Betriebssystem unterstützt auch Online-Patching und Patch-Analysen.

Sicherheit

Die meisten neuen Sicherheitsfunktionen sind schon bekannt, seit HP im Dezember 2006 die jetzige Version ankündigte. Dazu gehört das Verschlüsseln von Platten und File-Systemen. Das „Encrypted Volume and File System“ (EVFS) verschlüsselt die Daten auf der Betriebssystem- beziehungsweise Prozessorebene, bevor sie auf RAID-Systemen oder Storage-Netzen landen. Die Funktion gibt es auch für HP-UX 11i v2.

Außerdem stattet HP den neuen Integrity Server 2660 mit einem Trusted Platform Module (TPM) aus. Darunter ist ein Mikro-Controller zu verstehen, der Passwörter, Kryptogarphie-Schlüssel und andere PC-relevante Security-Informationen speichert. So sollen sie vor Hackern sicher sein. Der künftige Longhorn-Server von Microsoft soll mit „Bitlocker“ über Ähnliches verfügen.

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