29.01.2008 | Autor / Redakteur: Lisa Phipher und Peter Riedlberger / Stephan Augsten
Die Schwachstellen-Bewertung ist eine grundlegende Maßnahme für WLAN-Sicherheit. Denn wer sich im Vorfeld Gedanken über mögliche Sicherheitslücken im Funknetz macht, kann sie stopfen, ehe ein Hacker von ihnen profitiert. Aber wo soll die Suche beginnen? Wonach genau suche ich? Und sind alle Bereiche abgedeckt? Mit dieser Checkliste hilft SearchSecurity Ihnen dabei, sich solche Fragen zu beantworten.
1. Bestandsaufnahme schnurloser Geräte
Man kann die eigenen WLAN-Schwachstellen nicht bewerten, wenn man nicht genau über den Bestand aktiver Sender und Empfänger informiert ist. Man fängt also damit an, dass man alle Sender im Firmengebäude und in seiner Nähe inventarisiert.
Dabei wird zunächst einmal nach Frequenzen kategorisiert und bewertet:
Für jeden entdeckten 802.11-Access-Point notiert man sich:
Zu jeder entdeckten 802.11-Station werden folgende Daten protokolliert:
2. Rogue-Geräte suchen
Bei nicht-802.11-Interferenzquellen (etwa Mikrowellen, Bluetooth, Schnurlostelefone) kann ein Spektrum-Analysator helfen, den Gerätetyp genauer einzugrenzen. Bei 802.11-Geräten vergleicht man die Messergebnisse mit der aufgestellten Bestandsliste. So erkennen Sie unbekannte Geräte, die Sie sich näher ansehen sollten.
Wollen Geräte unentdeckt bleiben, verwenden sie oft Frequenzbänder und Kanäle, die man selbst nicht nutzt. Also müssen auch diese Bereiche geprüft werden. Erfahren Sie in einem weiteren Fachbeitrag zu Wireless Intrusion Detection wie man mit solchen „Rogue-Geräten“ im Einzelnen umgeht und welche Risiken sie für WLANs bergen.
3. Überprüfung der eigenen Access-Points
Im nächsten Schritt überprüft man die eigenen WLAN-Geräte und fängt dabei zweckmäßigerweise mit den APs an. Diese APs könnten sich in einem Netzwerk befinden, das gleichermaßen vertrauenswürdige und nicht-vertrauenswürdige Clients umfasst.
Daher sollte sie denselben Penetrationstests ausgesetzt werden, die man gegen Perimeter-Firewalls und Zugangs-Router an der Grenze zum Internet laufen lässt. Für jeden AP sollten Sie sich folgende Fragen stellen:
4. Eigene Stationen überprüfen
Es könnte sein, dass bestimmte Stationen während der ursprünglichen Inventarisierung gerade nicht aktiv waren. Achten Sie also genau darauf, dass jedes 802.11-Gerät erfasst wurde. Dies beinhaltet Laptops, Desktop-Rechner, PDAs, VoIP-Handsets, Drucker, Scanner und Headsets.
Ebenso lohnt es sich, Funksubnetze per Pingscan zu durchsuchen. Auf diese Weise finden Sie bislang unentdeckte Geräte. Danach sollten Sie die folgenden Fragen für jede Funkstation einzeln durchgehen:
5. WLAN-Infrastruktur kontrollieren
Zuletzt muss noch die Sicherheit aller Netzwerkinfrastrukturgeräte kontrolliert werden, die zum Funksubnetz gehören. Dabei handelt es sich beispielsweise um Switches, Firewalls, VPN-Gateways, DNS-Server, DHCP-Server, RADIUS-Server, Webserver mit Captive-Portal Login-Seiten sowie verwaltete Ethernet-Swiches.
Wie die APs sollten auch diese Geräte mit denselben Penetrationstests geprüft werden, die man sonst auf Server an der Internetgrenze anwendet. So benutzt man bei Captive-Portalen die Tests, die man sonst auf DMZ-Webserver anwendet. Dazu gehören auch Checks, ob die vorliegende Programm-Version bekannte Angriffsflächen bietet, die sich per Patch beseitigen ließen.
Die meisten Infrastrukturtests sind nicht funkspezifisch. Aber für eine 802.1X-Infrastruktur könnten zusätzliche Tests notwendig werden. So könnte man bei einem RADIUS-Server austesten, ob er manipulierte EAP-Nachrichten (wie falsche EAP-Längen oder EAP-of-Death) wie gewünscht einfach entsorgt.
6. Reaktion auf die Testergebnisse
Leider gibt es keine Checkliste, die einem Administrator bei diesem letzten Schritt helfen könnte. Jetzt muss er nämlich jetzt die eigenen Ergebnisse auswerten und die entdeckten Schwachstellen genauer betrachten. Soweit möglich, eliminiert man diese natürlich.
Wenn dies nicht möglich ist, so machen Sie einen Missbrauch so schwer wie nur eben möglich. Wenn man etwa Telnet auf den APs findet, muss man entscheiden, ob und wie man diesen Dienst deaktiviert: Lassen sich die APs mit SSH statt mit Telnet administrieren? Kann ich SSH auf Ethernet beschränken, damit der Daemon nicht über WLAN angesprochen werden kann?
Sobald Sie die gewählten Maßnahmen umgesetzt haben, wiederholen Sie die Tests. Bewerten Sie anschließend, ob das Resultat wie gewünscht ausfällt. Idealerweise führt man solche Risikoprüfungen (Vulnerability Assessments) regelmäßig durch, um neue WLAN-Geräte sowie Konfigurationsänderungen zu entdecken und zu bewerten.
Last but not least sollten Sie sich auch Gedanken machen, ob sich die Tests eventuell automatisieren ließen. Auf diese Weise lässt sich das ganze Prozedere möglicherweise schneller, konsistenter und rigoroser gestalten.
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