18.10.2006 | Autor / Redakteur: Beth Pariseau, Searchstorage.com / Rainer Graefen
Die Appliance mit Namen Assureon ist ein Ergebnis der Übernahme des Software-Startups EverTrust im März 2005. EverTrust lieferte die Sicherheits- und CAS-Software für das Gerät, während Nexsan die RAID-Speicherhard- und Firmware bereitstellte.
In der Minimalversion bietet der anderthalb Meter hohe Schrank acht Terabyte Speicherkapazität auf SATA-Festplatten, in der höchsten Ausbaustufe lässt sich diese bis auf 84 TByte (unformatiert) ausbauen. Ihre Daten erhalten diese von einem Satz 1U-Blades (vier in der kleinsten Version) und einem System von Prozessoren, das unabhängig von den Festplatten skaliert. Die Appliance ist ein Server-Cluster-System, das Nexsans Assureon-Software als eine Einheit verwaltet. Der Preis liegt derzeit (Juni 2006) bei ca. 5.500 Dollar pro Terabyte.
Die Assureon soll als Archiv dienen, in dem die Daten gemäß vorher vom Anwender festgelegten Richtlinien gespeichert werden. Die Appliance speichert Metadaten getrennt von den Dokumenten, wodurch diese für verschiedene User unterschiedlich lang zugänglich sind. Auf diese Weise hat beispielsweise die Personalabteilung lediglich ein Jahr lang Zugriff auf die Personalakte eines ausgeschiedenen Mitarbeiters, die Rechtsabteilung hingegen zehn Jahre – für den Fall eines möglichen Rechtsstreits.
Das Gerät unterstützt die Advanced Encryption Standard (AES) mit einer Schlüssellänge von 256 Bit. Dabei erhält jede Datei einen eigenen Schlüssel, der dann in ein größeres Bündel auf einer separat verschlüsselten CD-ROM „eingerollt“ wird. Zur Entschlüsselung benötigen Anwender sowohl diese CD-ROM als auch eine Smartcard bzw. ein Token. Gemäß dem von Nexsan erdachten System wechseln die Schlüssel einmal pro Monat – die auf der CD gespeicherten Listen werden ent- und danach mit einem neuen Algorithmus wieder verschlüsselt. Firmen, die einen internen Sicherheitsverstoß befürchten, können auch außer der Reihe Änderungen vornehmen.
In einigen Fällen kann die Verschlüsselung die Suche nach Daten und den Recovery-Prozess verlangsamen, aber laut Nexsan-Vorstandschef Philip Black gleicht die Skalierbarkeit des Server-Clusters in der Assureon dieses Problem aus. „Die Entschlüsselung und Wiederherstellung von Dateien dauert nur ein klein wenig länger, unter normalen Bedingungen ist das nicht problematisch. Nur wenn ein Anwender Milliarden Dateien zur gleichen Zeit anfordern würde, könnte es zu längeren Wartezeiten kommen, aber in diesen Fällen skalieren wir die Cluster.“
Die MD5 mittels einer Prüfsumme (Hash) sichergestellt, so dass jede Manipulation des Originals auffallen würde. Bei Überarbeitungen des Originals ensteht eine Version mit einem neuen Hashwert. Zusätzlich gibt die Assureon jedem gespeicherten Objekt eine eindeutige Sequenznummer. Dieser Prozess wird Serialisierung genannt.
Ein Software-Agent zählt die Sequenzen in regelmäßigen Abständen durch, um sicherzustellen, dass keine Datei gelöscht wurde. Da das Gerät Replikation unterstützt, kann der Agent eine fälschlich gelöschte Datei durch eine Backup-Kopie ersetzen.
Außerdem speichert das Nexsan-System den Datenbestand in zwei separaten, physikalisch getrennten RAID-Boxen und unterstützt asynchrones Remote-Mirroring und ein Backup auf Band oder auf optische Medien. Beim Schreiben auf externe Medien erzeugt die Assureon sieben zufällige Bitmuster, so dass Disks oder Bänder nicht mehr lesbar sind, falls der Schlüssel zerstört werden sollte.
Nexsan positioniert die Appliance vor allem als Alternative zu Produkten größerer Konkurrenten, in erster Linie EMCs Centera. Laut Black sind die native Verschlüsselung und die verbesserten Hashing-Funktionen der Assureon für diese nicht verfügbar. Anders als bei vergleichbaren Lösungen von Decru/Network Appliance handele es sich außerdem um ein kombiniertes System.
Zwar wird EMC den CAS-Markt nach Meinung der Experten auch weiterhin fest im Griff behalten, Chancen für Nexsan ergeben sich aber überall dort, wo Anwender kleinere, preiswertere Systeme suchen. „Ich habe mit vielen IT-Verantwortlichen mittlerer Unternehmen gesprochen, die sich nach einer Archivierungslösung erkundigten, denen die Highend-Produkte aber einfach zu groß waren“, erklärt etwa Brad O`Neill, Storage-Experte bei der Taneja Group. Zwar habe EMC versucht, diesen Markt mit einer Vier-Node-Version der Centera zu erreichen, aber die Nexsan-Appliance sei nach wie vor günstiger. Zurzeit kostet die sog. „Baby-Centera“ ca. 8600 Euro pro Terabyte; der Preis sinkt allerdings drastisch, wenn mehr Nodes benötigt werden.
Ob die Zusatzfunktionen wirklich etwas bringen, ist unter Experten umstritten. „Das Thema Sicherheit spielt derzeit zwar eine große Rolle in der Öffentlichkeit“, sagt etwa Marc Staimer von Dragon Slayer Consulting. „Auf dem Markt bringt es aber keine relevanten Verkaufszahlen. Die Anwender versuchen, Sicherheit mit möglichst geringem Einsatz zu erreichen, da sie nur ein zusätzlicher Kostenfaktor ist.“ Ähnliches gelte für die Compliance: „Wichtig daran ist vor allem, dass Unternehmen Strafen zahlen, wenn sie gesetzliche Auflagen nicht beachten. Es ist wie mit Versicherungen: Sobald man für eine geringere Prämie den gleichen Schutz erhält, entscheidet man sich für das günstigere Produkt. Das gilt auch hier.“ Im Übrigen habe Nexsan in diesem Markt bisher keine Erfahrung, was ebenfalls zu Problemen führen könne.
HP stieg 2003 mit der Übernahme von Persist Technologies in den CAS-Markt ein. Das daraus resultierende Produkt war das Reference Information Storage System (RISS) für die Langzeit-Datenarchivierung. Sun Microsystems ist nach der Übernahme von Storagetek im vergangenen Jahr nun mit dem dort entworfenen CAS-System Intellistor am Start. Als vergleichsweise kleiner Anbieter hat sich daneben noch Permabit positioniert, dessen Permeon-Software auf Geräten verschiedener Hersteller läuft und eigentlich an Storagetek lizenziert werden sollte. Das erledigte sich allerdings durch die Entwicklung von Intellistor.
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2000360)