02.02.2007 | Autor / Redakteur: Detlef Borchers / Rainer Graefen
Einen Tag nach der offiziellen Vorstellung von Windows Vista versuchen selbsternannte Experten bereits, das neue OS in Misskredit zu bringen: Sprachkommandos könnten vom System so interpretiert werden, dass sie etwa Dateien löschen. Prompt machen Horrorszenarien von „sprechenden Trojanern“ die Runde.
Der Vista-Desktop kann beispielsweise über die Spracherkennung gesteuert werden. Ein diktierter Dateiname könnte also theoretisch dazu führen, dass die entsprechende Instanz gelöscht und der Papierkorb sofort entleert wird.
An dieser Stelle setzen auch die Kritiker an, die bereits nach Sicherheitslücken suchen und die Spracherkennung schlecht reden wollen. Weitreichende Systemkommandos wie das Formatieren einer Festplatte oder das Anlegen eines neuen Systemadministrators unter Umgehung der User Acess Control sind allerdings gar nicht möglich.
Derzeit sieht die Gefahr für PCs ganz anders aus: Ein gutes Dutzend Websites verspricht eine lustige Demonstration der spektakulären Sicherheitslücke und lädt Trojaner sowie Botnet-Steuerungen nach, sobald man die Vista_Demo.exe anklickt.
Schon Windows XP verfügt über eine rudimentäre Spracherkennung, die allerdings unbrauchbar ist. Deshalb hat sich bisher niemand sonderlich dafür interessiert. Bei Vista sieht das anders aus: Obwohl die deutsche Version gesprochene Worte ohne Training schlechter als das amerikanische Englisch versteht, sind die Ergebnisse doch einigermaßen akzeptabel.
Insgesamt ist das Szenario einer Sprachattacke aber ziemlich unwahrscheinlich, wie Microsoft in einer ersten Stellungnahme betont. Zunächst müsste der Anwender auf eine Website mit den nötigen Sprachbefehlen gelockt werden und sowohl Lautsprecher als auch Spracherkennung aktivieren.
Selbst wenn es soweit kommt, wäre ein Angriff auch nur dann denkbar, wenn der User anschließend den Raum verlässt – ohne darauf zu hören, was sein plaudernder Computer macht. Der Aufwand, jemanden beispielsweise per Telefon aus dem Zimmer zu locken, wird dem Zweck wohl kaum gerecht.
Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 2002167)