28.03.2008 | Autor / Redakteur: Lothar Lochmaier / Peter Schmitz
Das Spektrum der Angriffsmöglichkeiten aufgrund systembedingter Schwachstellen sei ausgesprochen groß, erläutert Wolfgang Neifer. So sind aus Kostengründen die Produktvarianten bei Stickmaschinen, so genannte Chip- und Wire-Bond-Maschinen, meist auf Basis einer einheitlichen Hardware-Plattform realisiert, während zusätzliche Leistungsmerkmale durch Software-Funktionen realisiert bzw. aktiviert werden.
Jedoch führten das Outsourcing und der zunehmende Kostendruck zu einem steigenden Bedarf an neuen Vertriebsformen und Geschäftsmodellen bei Investitionsgütern wie Pay per Use oder Leasing. Die Angreifer können sich somit in diesen Prozess oftmals zunächst relativ unbeobachtet in die Wertschöpfungskette einklinken. Neben den eigentlichen Anlagen gilt es in computergestützten Produktionsanlagen außerdem noch die Produktionsdaten selbst zu schützen, weshalb der Schutzbedarf auf die Absicherung kompletter Entwurfs- und Fertigungsketten hin zielen sollte.
„Produktpiraterie ist vor allem kritisch in Wachstumsmärkten“, erläutert Wolfgang Neifer. Denn der zunehmende Softwareanteil an den Innovationen bewirke eine hohe Wertschöpfung durch Software und Daten. „Es fehlen jedoch standardisierte Lösungen im Embedded-Bereich“, so der Experte weiter. Als eines der zentralen Marktrisiken macht Neifer die vielen am Wertschöpfungsprozess beteiligten Parteien aus.
So gebe es etwa in der Textilindustrie bei einer Stickmaschine zahlreiche Möglichkeiten, die Systeme auszulesen und zu kopieren, sowohl in der Stickmaschine selbst als auch in der Steuerung, bis hin zur nach gelagerten Produktion bzw. Vertrieb. Jedoch lasse sich am Beispiel der ZSK Stickmaschinen feststellen, dass es durchaus gelingen könne, ein besseres Schutzniveau bei in der modularen Produktpalette herstellen. „Die Ziele beim Hardwareschutz heben etwa auf tamper-resistente Security Module ab, die an den industriellen Schnittstellen nicht klon- und kopierbar sind“, so der Experte weiter.
Die Lösung bestehe deshalb darin, sowohl die Steuerungs- und Design-Software als auch die Embedded Software abzusichern, ergänzt Wolfgang Neifer. Das Unternehmen Wibu Systems AG hat sich dabei mit einer breiten Lösungspalette positioniert, was zeigt, dass einheimisches Know how auf dem Weltmarkt durchaus gefragt ist. So sind die Spezialisten unter anderem Windows Embedded Partner. Nach eigenen Angaben sei es bislang noch keinem Hacker gelungen, den von Wibu Systems angebotenen Code-Meter-Softwareschutz zu knacken, bilanziert Neifer.
Der Experte erhofft sich nun von den zahlreichen Initiativen in der deutschen Wirtschaft einen Wachstumsschub für Schutztechnologien in der besonders sensiblen Industrieproduktion. So laufen neben ZVEI und VDMA auch beim Branchenverband BITKOM gleich mehrere Aktivitäten zusammen, wie der Fachausschuss Produktpiraterie, die Arbeitsgruppe „Embedded Systems“ oder der Arbeitskreis Intellectual Property/DRM.
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