Essential Guide

Notfall-Management mit Business Continuity und Disaster Recovery

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Brandschutz im Data Center

Sicherheitsvorsorge sollte sich nicht nur auf Angriffe und Ausfälle konzentrieren. Insbesondere der Brandschutz darf nicht vernachlässigt werden.

Wenn man von den ganz großen Katastrophen spricht, denkt man hierzulande gerne an andere Orte und an die dortigen „unzureichenden“ Schutzmaßnahmen. „Bei uns“ sei dagegen alles im grünen Bereich. Ausfälle von einzelnen IT-Komponenten oder von ganzen Rechenzentren? Nicht bei uns, lautet die vorschnelle Antwort.

Spricht man dagegen mit Fachleuten, ergibt sich ein abweichendes Bild. Business Impact Analysis (BIA) und Risiko-Management sind Disziplinen, die man ernst nehmen muss, sagt zum Beispiel der amerikanische Recovery-Spezialist Steven Ross. Disaster Recovery und Business Continuity würden noch immer auf der Management-Ebene nicht den Stellenwert einnehmen, der ihnen eigentlich zustände.

Und Bernd Hanstein, Hauptabteilungsleiter Produktmanagement IT beim Rechenzentrumsausstatter Rittal, warnt davor, den Blick nur auf Cybercrime und leer geräumte Konten von Bankkunden zu richten: „Ob Feuer, Wasser, Erdbeben, Vandalismus oder eine defekte Klimaanlage: Rechenzentren stehen im Mittelpunkt einer Vielzahl von Bedrohungen.“ Server und Daten müssten auch gegen solche Gefahren geschützt werden. Dabei komme es darauf an, nicht den Kostenrahmen zu sprengen oder die Flexibilität im Rechenzentrum zu stark einzuengen.

Bernd Barten vom deutschen Brandschutz-Spezialisten Minimax verweist darauf, dass die Bereitstellung von IT-Infrastruktur und IT-Services mit hohen Verfügbarkeitsanforderungen „angemessene technische Maßnahmen zur Gewährleistung der Ausfallsicherheit“ erfordert: „Die technisch komplexe IT-Infrastruktur sowie die verwendeten Materialien bringen ein hohes Brandrisiko mit sich. IT-Continuity-Anforderungen sowie solche an die Energieeffizienz der technischen Systeme verändern auch die Anforderungen an Brandschutzsysteme.“

Brandschutz umsetzen

Für Barten ergeben sich deshalb folgende Punkte, die bei der Umsetzung des Brandschutzes zu beachten sind:

  • Verfügbarkeit sowie Funktion der Schutzobjekte erhalten und sichern
  • Unterbrechungszeiten minimieren
  • keine elektrische Leitfähigkeit der Löschmittel
  • schnelle Wiederherstellung der Betriebsbereitschaft
  • keinen Sekundärschaden verursachen
  • unterbrechungsfreien Betrieb während der Löschung garantieren
  • keine punktuelle Temperaturabsenkung herbeiführen

Minimax empfiehlt je nach IT-und Rechenzentrumsbereichen unterschiedliche Brandschutzsysteme, wie Abbildung 1 zeigt.

Abbildung 1: Empfohlene Brandschutzsysteme für unterschiedliche Bereiche. (Quelle: DCE Academy)

In bestimmten Räumen des Data Centers wird mit so genannten Inertgas-Brandschutzsystemen gearbeitet, die der Luft einen Sauerstoff-Anteil entziehen. Der Grundgedanke dabei besteht laut Minimax darin: „Für alle Substanzen gilt, dass sich die Brennbarkeit mit abnehmender Sauerstoffkonzentration der Luft verringert. Ab einem bestimmten Wert ist die selbstständige Verbrennung nicht mehr möglich.“ Damit wäre bereits im Vorfeld eines Brands innerhalb des Data Centers eine fast maximale Vorsorge getroffen.

Nicht geregelt sind auf diese Weise allerdings der Umgang mit besonders brennbaren Materialien, zum Beispiel im USV-Raum, oder das Entstehen eines Brands außerhalb der eigentlichen IT-Zonen. Auf der Komponentenseite haben sich die Server-Netzteile mit ihrer Stromumwandlung als besonderer Gefahrenpunkt herausgestellt.

Abbildung 2: Ohne Sauerstoff ist eine Verbrennung nicht möglich. (Quelle: DCE Academy)

Die drei Ebenen des technischen Brandschutzes

Die Sauerstoff-Lösung gehört zu der Gruppe von Vermeidungsmaßnahmen, die Jürgen Strate, Senior Manager Solution Sales Global Technology Services bei IBM Deutschland, als technischen Brandschutz bezeichnet. Er unterscheidet hier insgesamt drei Ebenen:

  1. Brandvermeidung: Sie betrifft organisatorische und konzeptionelle Aufgaben und ist prinzipiell immer zu beachten. Im rein technischen Bereich kommt die „Dauerinertisierung“ (Entzug von Sauerstoff) zum Einsatz, die eine Alternative zur Löschung darstellt und eine Gefahr sozusagen „im Keim erstickt“.
  2. Branderkennung: Hier ist zu unterscheiden zwischen Brandfrühesterkennung und Brandfrüherkennung sowie Brandmeldung.
  3. Brandbekämpfung / -löschung: Erst danach schließen sich Feuerwehreinsatz und Wasserlöschsysteme an. Beide Bekämpfungsmaßnahmen sind in der Regel nicht im Rechenzentrum vorhanden, sondern müssen im Bedarfsfall benachrichtigt, beziehungsweise aktiv eingesetzt werden. Zusätzlich gehören in diese Gruppe prinzipiell auch interne Sprinkler, Wassernebel- und Gaslöschsysteme (Inertgase, physikalische und chemische Löschgase).

Risiko-Minimierung und Business Continuity

Grundsätzlich sollten IT- und Gebäude-Management immer auf die Anforderungen einer Risiko-Minimierung und eines kontinuierlichen IT- und Geschäftsbetriebs achten. Die Unternehmen sollten von einem realen Brandrisiko ausgehen, auch wenn sich im Alltag des Data-Center-Betriebs in erster Linie Ausfälle ergeben, die mit der Energieversorgung zusammenhängen. Im Einzelfall muss eine sorgfältige Vorteils-/Kostenrechnung durchgeführt werden. So steht den Vorteilen einer „Dauerinertisierung“ auch eine Reihe von Nachteilen gegenüber (siehe Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Dauerinertisierung hat Vor- und Nachteile (Quelle: IBM 2010)

Strate geht davon aus, dass heute auch die mittelständischen Betriebe in Deutschland relativ gut gegen Brandgefahren gesichert seien. Dies liege hauptsächlich an den gestiegenen Investitionen in standardisierte Infrastruktur, die zu einer deutlichen Erhöhung des Verfügbarkeitslevels der IT geführt hätten. In Unternehmen allerdings, die sich zu sehr auf ihre „historisch gewachsene“ – und häufig sehr zersplitterte – IT-Infrastruktur verlassen, gäbe es mehr Gefahrenquellen. So sollte man zum Beispiel im Bereich der Doppelböden im Rechenzentrum nur nicht-brennbare Materialien einsetzen.

Weitere Informationen finden sich bei der DCE Academy und beim Uptime Institute. Der BITKOM bietet ein kostenlosen Leitfaden “Betriebssichere Rechenzentren“.

Anbieter von Brandschutzlösungen: Kidde Deugra, Minimax, Rittal, Siemens Building Technologies

 

Artikel wurde zuletzt im August 2013 aktualisiert

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