Anonymität bei Online-Diensten: Das ist beim Datenschutz zu beachten

Laut Telemediengesetz sollen Betreiber von Online-Diensten für den Datenschutz eine anonyme Nutzung und Bezahlung ermöglichen.

Wer einen Dienst im Internet anbietet, möchte natürlich wissen, wer die Nutzer sind, und das möglichst genau. Bei kostenlosen Online-Diensten steht oftmals die Finanzierung über Werbung hinter diesem Wunsch, denn Werbung ist bekanntlich umso erfolgreicher, je genauer man die Adressaten kennt. Doch auch bei kostenpflichtigen Diensten ist das Interesse an Kundendaten hoch, schließlich möchte man als Anbieter an sein Geld kommen. Doch dabei sind die Forderungen des Datenschutzes zu beachten.

Möglichkeit zur anonymen Nutzung und Bezahlung

Das für alle elektronischen Dienste, die nicht der Telekommunikation dienen, geltende Telemediengesetz (TMG) sieht vor, dass der Anbieter die Nutzung und ihre Bezahlung anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen hat, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist. Über diese Möglichkeit ist der Nutzer zu informieren (§ 13 TMG).

Mit dieser Forderung ist praktisch verbunden, dass es bei Online-Diensten möglich sein muss, sich ohne Realdaten, also ohne echten Namen und tatsächliche Adresse zu registrieren. Die Angabe eines Pseudonyms bei der Registrierung muss ausreichen, wenn es keine technischen Gründe gibt, die dagegen sprechen. Wird eine E-Mail-Adresse bei der Anmeldung vorausgesetzt, muss auch eine nur für diesen Zweck eingerichtete Mail-Adresse reichen. Man spricht auch gerne von einer Wegwerf-Mail-Adresse.

Das Problem mit anonymen Kundendaten

Aus Anbietersicht erscheint dies erst einmal unerfreulich. Eine Verwendung der Nutzerdaten zu Werbezwecken ist schwierig oder sogar unmöglich, selbst wenn der Nutzer dieser Verwendung zugestimmt hat. Ein Produkt-Newsletter an eine Wegwerf-Mail-Adresse macht wenig Sinn.

So ist es nicht verwunderlich, dass verschiedene Online-Anbieter eine anonyme Nutzung nicht vorsehen. Dafür werden verschiedene Gründe genannt, zum Beispiel technische Probleme oder Maßnahmen gegen den Missbrauch des Dienstes für Beleidigungen oder Provokationen oder gegen Identitätsdiebstahl.

Von Datenschützern und Gerichten

Sind die Gründe aus Sicht des Datenschutzes nicht nachvollziehbar, ruft dies die Aufsichtsbehörden für den Datenschutz auf den Plan, so zum Beispiel geschehen im Fall von Facebook. Das unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD) hatte gegen Facebook Verfügungen erlassen, um gegen die sogenannte Klarnamenpflicht bei dem sozialen Netzwerk vorzugehen. So ist es die Praxis bei Facebook, Nutzerkonten zu sperren, wenn diese auf Pseudonymen beruhen.

Das ULD begründete die Bedeutung der anonymen Nutzung damit, dass sich Nutzer entsprechend dem Telemediengesetz bei Internetdiensten wie Facebook weitgehend unbeobachtet und ohne Angst vor unliebsamen Folgen bewegen können müssten.

Die zuständigen Gerichte entschieden im Fall Facebook allerdings anders als die Datenschützer: Laut Urteil des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht (OVG) ist auf die Datenverarbeitung bei Facebook auch in Bezug auf deutsche Nutzer nicht deutsches, sondern ausschließlich irisches Datenschutzrecht anwendbar. Facebook Ireland Ltd. stelle eine Niederlassung von Facebook in Europa dar, nicht aber die Facebook Germany GmbH, die nur in den Bereichen der Anzeigenakquise und des Marketing für den Konzern tätig sei.

Deutsche Anbieter sind trotzdem gefordert

Betrachtet man die Urteilsbegründung, kann man daraus folgern, dass sich Anbieter von Online-Diensten mit Sitz in Deutschland nicht auf diese richterliche Entscheidung zurückziehen können. Die Gültigkeit des Telemediengesetzes (TMG) für deutsche Anbieter ist unstrittig. Damit sind deutsche Anbieter gefordert, eine anonyme Nutzung zu ermöglichen, wenn dies technisch machbar ist. Während die Anonymität bei der Registrierung technisch leicht umzusetzen erscheint, ist das anonyme Bezahlen scheinbar ein echtes Hindernis. Doch auch hierfür gibt es Lösungen.

So bezahlt man anonym

Findet keine Lieferung an eine physische Adresse statt, zum Beispiel an die Postanschrift, ist es durchaus möglich, Nutzern eine anonyme Bezahlmöglichkeit anzubieten, darunter Mastercard Prepaid-Karte und paysafecard. Die Anonymität gegenüber dem Anbieter eines Online-Dienstes wird möglich, da der Nutzer bei der Bezahlung nicht in Erscheinung tritt, sondern der Zahlungsanbieter. Dieser zahlt im Auftrag des Nutzers, der zuvor einen bestimmten Betrag als Guthaben hinterlegt hat. Mit dem Prepaid-Verfahren paysafecard zum Beispiel wurden in 2012 laut Anbieter 55 Millionen Zahlungstransaktionen abgewickelt.

Allerdings bleibt festzuhalten, dass Umfragen immer wieder zeigen, dass die deutschen Internetnutzer im Internet am liebsten auf Rechnung einkaufen. Eine anonyme Bezahlung ist dann nicht mehr möglich. Doch die Anonymität kann auch anders verloren gehen.

Anonymität endet spätestens beim Zahlungsanbieter

Gegenüber dem Zahlungsanbieter muss der Nutzer seine Identität offenbaren. Nur wenn dieser die Identität seiner Kunden sicher schützt, kann von einer anonymen Zahlung gegenüber Online-Diensten gesprochen werden. Dazu gehört mehr als die sichere Verschlüsselung der Datenverbindung zwischen Zahlungsdienstleister und Online-Dienst. Am Beispiel Bitcoin zeigten Sicherheitsanalysen, dass sich Rückschlüsse auf Nutzer ziehen lassen könnten, die eine Anonymität im Internet erschweren.

Die vom Datenschutz geforderte Möglichkeit zur anonymen Nutzung und Bezahlung erfordert deshalb Anstrengungen aller Beteiligten, insbesondere auch auf Seiten des Bezahldienstes. Allerdings lohnen sich diese Anstrengungen, denn die Mehrzahl der Online-Nutzer stuft die Maßnahmen zur Gewährleistung des Datenschutzes als wichtiges Kriterium ein, wenn sie sich für einen Online-Dienst entscheiden, auch bei sozialen Netzwerken wie Facebook.

Artikel wurde zuletzt im Juli 2013 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über Enterprise-Compliance

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

SearchDataCenter.de

Close