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Ist Ihre IT-Infrastruktur bereit für mobile Apps?

Alan Joch

Allmählich veraltende Geschäftsanwendungen könnten den Trend zu mobilen Anwendungen in der Produktion im kommenden Jahr verstärken. Um sich dem Trend anzuschließen, wird es allerdings nicht ausreichen, nur die richtigen Software-Werkzeuge und Geräte bereitzustellen: Nach Aussagen von Branchenexperten müssen IT-Manager auch ihre Infrastrukturen für das mobile Zeitalter anpassen. Insbesondere kommt es darauf an, die Qualität der von mobilen Mitarbeitern genutzten Daten aufrechtzuerhalten. Und wie bei jedem Vorhaben, bei dem potenziell sensible Unternehmensdaten im Spiel sind, gilt: Sicherheit ist auch bei mobiler Business Intelligence (BI) und Enterprise Ressource Planning (ERP) eines der wichtigsten Themen.

Besseres mobiles Daten-Management

Die neuesten und besten mobilen Geräte und Geschäftsanwendungen stellen Entscheidungsträgern in Fast-Echtzeit entscheidende Geschäftsinformationen zur Verfügung. Wert lässt sich daraus jedoch nur ziehen, wenn diese Informationen korrekt und zuverlässig sind. Um dazu einen alten Branchenspruch zu zitieren: „Lieber richtig als zuerst“.

Korrektheit ist wichtig, weil Mitarbeiter schneller auf Daten reagieren werden, wenn sie mit Anwendungen auf Mobilgeräten arbeiten. Darauf verweist Kimberly Knickle, Bereichsleiterin von IDC Manufacturing Insights, einem Analysehaus aus dem US-Bundestaat Massachusetts.

Wenn Daten nicht stimmen, könnten die darauf basierenden irregeleiteten Aktivitäten sich durch die  gesamte Lieferkette verbreiten – und so Einfluss auf Lagerbestände, Lieferanten-Informationen und sogar Produkt-Rückrufe haben, so Knickle. „Die gute Nachricht dabei ist, dass mobile Beschäftigte Daten direkt vor Ort eingeben, weshalb sie hoffentlich genauer sind, als wenn erst Notizen gemacht werden und die Eingabe später erfolgt – oder als wenn sie gar nicht erst erfasst werden“.

Trotzdem müssen Produktionsfirmen einen Ausgleich finden zwischen dem Wunsch nach Orts- und Zeitungebundenheit und dem Bedarf nach Korrektheit. Der Heilige Gral des Daten-Managements ist dabei eine einheitliche Wahrheit. „Das produzierende Gewerbe kommt diesem Punkt schon näher, doch wirklich erledigt dürfte diese Aufgabe letztlich niemals sein“, so Knickle.

Um den Prozess am Laufen zu halten, raten Beobachter produzierenden Firmen dazu, ihre Bemühungen im Bereich Daten-Management im gesamten Unternehmen deutlich zu erweitern. Beispielsweise sollte die Qualität von Daten systematisch geprüft werden, um Anomalien wie redundante oder widersprüchliche Informationen aufzudecken. Dafür bietet sich ein Master-System für die Daten-Verwaltung an, das sicherstellen kann, dass Informationen im eigenen Data-Warehouse zuverlässig sind.

Sicherheitsfragen bei mobiler BI und ERP

Die neuesten Angriffe durch Hacker sorgen stets für Schlagzeilen, doch laut Experten ist diese Gruppe nicht immer die größte Bedrohung für Unternehmen. Für die gravierendsten Vorfälle sind seit langem interne Kräfte verantwortlich, in manchen Fällen auch ohne böse Absicht. So sagten in der Umfrage 2011 CyberSecurity Watch Survey des CSO-Magazins, finanziert von der Beratungsfirma Deloitte, 33 Prozent der befragten Sicherheitsprofis, dass Angriffe von Insidern teurer sind als solche von Außenstehenden; dies ist eine Steigerung um 7 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

Die Lücken zu schließen wird mit der zunehmenden Verbreitung von mobiler BI und ERP immer wichtiger. Möglich ist dies über eine Kombination aus Richtlinien für mobile Sicherheit und den richtigen Technologien, so sagen Branchen-Analysten.

Die MEAP-Option

Nicht jede Organisation möchte sich selbst um die komplexe Aufgabe kümmern, mobile Anwendungen zu verwalten, sicher zu machen und sie in ihre IT-Infrastruktur zu integrieren. Für diese kommt eine Technologie von der Stange in Frage: die Mobile Enterprise Application Platform (MEAP). Dabei handelt es sich um eine Middleware-Klasse, die speziell auf mobile Umgebungen ausgelegt ist.

Die Zahl der MEAP-Angebote wächst deutlich – ein Zeichen für den wachsenden Bedarf an umfassenden, Plattform-basierten Ansätzen für das Management von Mobilgeräten – und enthält Produkte von großen Middleware-Anbietern für Unternehmen ebenso wie von kleineren Anbietern, die auf den Mobil-Markt spezialisiert sind. Ein weiterer Beleg dafür, dass Unternehmen bei der Verwaltung ihrer mobilen Infrastrukturen Unterstützung suchen: MEAP soll innerhalb der nächsten zwei Jahre zu einem Markt mit 929 Millionen US-Dollar heranwachsen, sagt IDC Manufacturing Insights voraus.

Zu zusätzlichen Umsätzen könnte ein Trend aus dem vergangenen Jahr beitragen: Betreiber von Mobilfunk-Netzen und Anbieter von Internet-Telefonie kommen mit neuen, von ihnen verwalteten MEAP-Angeboten auf den Markt. Damit, so das Versprechen, lässt sich das Mobilgeräte-Management für die internen IT-Abteilungen noch weiter erleichtern.      –Alan Joch

Für eine robuste Security Policy rät Knickle Organisationen dazu, zunächst festzulegen, welche Beschäftigten und Rollen mobilen Zugriff auf Unternehmensanwendungen und -daten benötigen. Als nächstes müssen Sicherheitsmanager entscheiden, ob als mobile Hardware auch private Geräte der Mitarbeiter eingesetzt werden dürfen oder ob vom Unternehmen bezahlte und bereitgestellte Geräte nicht die sicherere Option sind. Die erste Philosophie kann anfängliche Investitionen ersparen, doch anschließend ist die IT-Abteilung gezwungen, unterschiedliche Betriebssysteme zu unterstützen und sich um Software-Lizenzfragen zu kümmern, warnt Knickle. So müsse geprüft werden, ob Unternehmenslizenzen für mobile ERP-Software es erlauben, dass Beschäftigte die Software auch auf ihre privaten Smartphones und Tablets laden.

Die heute getroffenen Entscheidungen über private oder firmeneigene Geräte sind ohnehin nicht unbedingt zukunftsfest, so Knickle weiter: „Ich denke, dass es bis 2015 mehr private Geräte geben wird. Anschließend werden aber mehr Unternehmen verlangen, dass von ihnen zur Verfügung gestellte Geräte benutzt werden“.

So oder so sollten Unternehmen über die Einrichtung von Technologie nachdenken, mit der Unternehmensdaten auf Geräten auf Entfernung gelöscht werden können, falls die Hardware verloren oder gestohlen wird. Weitere Sicherheitsmaßnahmen sind Technologie zum Schutz vor Datenverlusten (DLP), die so etwas wie das Pendant zu traditionellen Firewalls darstellen. DLP-Lösungen dämmen den Fluss von Informationen nach außen ein, indem sie zum Beispiel verhindern, dass Finanzinformationen von Kunden an E-Mails angehängt werden. Dies hat laut Analysten allerdings auch einen Nachteil: IT-Manager müssen solche DLP-System fein abstimmen, damit die Netzwerk-Performance von der zusätzlichen Kontrolle nicht übermäßig beeinträchtigt wird.

Cloud-basierte Anwendungen und Desktop-Virtualisierung ermöglichent weitere Sicherheitsstufen für mobile Anwendungen. Dabei betonen Experten zwar, dass jeder Ansatz seine Eigenheiten hat. Trotzdem haben ERP-Lösungen nach dem Prinzip „Software as a Service“, Implementationen privater Clouds auf dem Firmengelände und Desktop-Virtualisierung als Modell eines gemeinsam: Anwendungen und Daten werden in einem zentralen Rechenzentrum aufbewahrt, in dem IT-Manager die Ressourcen entsprechend den Sicherheitsrichtlinien des Unternehmens eng kontrollieren können.


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