Online-Bewerbung, Stellenbörsen und der Datenschutz

Online-Stellenbörsen speichern Bewerberdaten und bieten oft Schnittstellen zu sozialen Netzwerken. Arbeitgeber sollten hierbei den Datenschutz prüfen.

Dieser Artikel behandelt

Sicherheits-Jobs

ÄHNLICHE THEMEN

Viele Unternehmen veröffentlichen ihre Stellenangebote bevorzugt im Internet, auf ihrer eigenen Website, meist aber auch in Online-Stellenbörsen. Bewerberinnen und Bewerber, die auf der Firmeninternetseite nach Karrieremöglichkeiten suchen, werden häufig auf das entsprechende Unternehmensprofil bei einer Online-Jobbörse weitergeleitet.

Bevor sich ein Unternehmen aber für ein solches Online-Bewerbungsverfahren entscheidet, sollte klar sein, was dies für den Datenschutz bedeutet. Die Stelleninteressenten geben personenbezogene Daten preis, die geschützt werden müssen, im Unternehmen selbst, aber auch auf der Online-Bewerbungsplattform.

Online-Stellebörsen: Zuerst die Datennutzung und Datenlöschung klären

Wenn ein Unternehmen eine Online-Stellebörse für die Bewerbersuche nutzt, kommt es zu einer Verarbeitung der Bewerberdaten durch den Provider der Online-Bewerberplattform. Die Verantwortung für die Bewerberdaten liegt dabei auch bei dem zukünftigen Arbeitgeber. Alleine schon deshalb sollte vor der Entscheidung für eine Online-Stellenbörse eine genaue Prüfung der Datenschutzerklärung erfolgen. Dabei sollten Sie insbesondere hinterfragen, wie die Bewerberdaten geschützt werden, ob also zum Beispiel eine Verschlüsselung erfolgt. Auch der Zugangsschutz beispielsweise mittels eines starken Passworts sollte bei der Entscheidung für eine Online-Jobbörse eine Rolle spielen.

Nicht fehlen darf auch die Frage, zu welchen Zwecken die Bewerberdaten genutzt werden sollen und wann eine Löschung der Daten vorgesehen ist. Bei der Löschung der Bewerberdaten sollte eine Frist gewählt werden, die die Vorgaben aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) berücksichtigt, denn es muss nach der Ablehnung einer Bewerbung möglich sein nachzuweisen, dass objektive Gründe vorlagen und keine Diskriminierung. Das Landesamt für Datenschutzaufsicht in Bayern zum Beispiel nennt eine Aufbewahrungsfrist von bis zu sechs Monaten.

Sicherheit der Bewerberdaten in der Cloud prüfen

Wenn die Bewerberdaten sofort an das Unternehmen als Stellenanbieter weitergeleitet und bei dem Provider nicht gespeichert werden, wäre nur die Datenerhebung, Datenverarbeitung und Datenübertragung zu klären. In aller Regel aber wird der Bewerber ein Profil bei der Online-Stellenbörse anlegen, in dem die Bewerbungsdaten hinterlegt sind. Damit findet eine Speicherung der Bewerberdaten in einer Cloud statt, mit allen datenschutzrechtlichen Anforderungen an die Cloud und zum Beispiel an den Cloud-Standort.

Online-Bewerbung und soziale Netzwerke in den Blick nehmen

Neben Cloud Computing ist eine weitere Entwicklung bei Online-Bewerbungsverfahren zu beachten: Soziale Netzwerke gewinnen deutlich an Gewicht für die Stellensuche und die Stellenangebote. Zum einen suchen viele Personalabteilungen in sozialen Netzwerken nach Zusatzinformationen zu Bewerbern oder sogar nach passenden Kandidaten für offene Stellen. Zum anderen finden Verknüpfungen und technische Integrationen zwischen Online-Stellenbörsen und sozialen Netzwerken statt.

Zudem gibt es inzwischen auch spezielle Plattformen für das sogenannte Talentmanagement mit expliziten Funktionen im Bereich sozialer Netzwerke. Aus Sicht des Datenschutzes sind Funktionen, die die vom Bewerber eingegebenen Daten durch zusätzliche Daten aus sozialen Netzwerken ergänzen, mit Vorsicht zu betrachten.

Private Online-Profile nicht ohne Einwilligung auswerten

Unternehmen sollten es unterlassen, die privaten Online-Profile von Bewerbern ohne Einwilligung der Betroffenen auszuwerten, um zum Beispiel die Freizeitaktivitäten des Bewerbers zu kennen. Berufliche Online-Profile und solche, die ausdrücklich einen Stellenwunsch nennen, können Sie auswerten, sofern es sich um allgemein zugängliche Daten handelt. Es soll also nicht so sein, dass sich ein Personalchef über eine Kontaktanfrage „heimlich“ Zugang zu geschützten Daten des Bewerbers verschafft. Es gilt grundsätzlich das Prinzip der Direkterhebung, der Bewerber ist also aktiv nach seinen Daten zu fragen, sofern keine Einwilligung vorliegt, dass die Daten aus Online-Profilen für das Bewerbungsverfahren genutzt werden dürfen.

Nicht nur Bewerber genau überprüfen

Es zeigt sich, dass Online-Stellenbörsen und andere Plattformen für Online-Bewerbungsverfahren nicht ungeprüft eingesetzt werden sollten. Anders als bei klassischen Stellenangeboten in der Tageszeitung sind Online-Stellenanzeigen immer in Verbindung mit den Datenrisiken aus dem Internet zu sehen. So könnten Bewerberdaten im Web gestohlen, manipuliert und missbraucht werden. Stellenprofile könnten mit anderen Online-Profilen verknüpft werden und so Daten zum Vorschein bringen, die nicht für das Bewerbungsverfahren an sich notwendig sind und deshalb nicht erhoben werden sollen. Auch ohne ein spezielles Beschäftigtendatenschutzgesetz geht dies aus den Vorgaben des Bundesdatenschutzgesetzes klar hervor (§ 32 BDSG).

Hier heißt es, dass personenbezogene Daten eines Beschäftigten für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses erhoben, verarbeitet oder genutzt werden dürfen, wenn dies für die Entscheidung über die Begründung eines Beschäftigungsverhältnisses oder nach Begründung des Beschäftigungsverhältnisses für dessen Durchführung oder Beendigung erforderlich ist. Soziale Netzwerke hingegen enthalten auch solche Daten, die in einer Bewerbungsmappe nie vorkommen würden. Deshalb sollten sie auch nicht in einem Online-Bewerbungsverfahren auftauchen, ohne dass der Bewerber dies will.

Artikel wurde zuletzt im Februar 2014 aktualisiert

Pro+

Premium-Inhalte

Weitere Pro+ Premium-Inhalte und andere Mitglieder-Angebote, finden Sie hier.

Erfahren Sie mehr über IT-Sicherheit: Jobs und Training

Diskussion starten

Schicken Sie mir eine Nachricht bei Kommentaren anderer Mitglieder.

Mit dem Absenden dieser Daten erklären Sie sich bereit, E-Mails von TechTarget und seinen Partnern zu erhalten. Wenn Ihr Wohnsitz außerhalb der Vereinigten Staaten ist, geben Sie uns hiermit Ihre Erlaubnis, Ihre persönlichen Daten zu übertragen und in den Vereinigten Staaten zu verarbeiten. Datenschutz

Bitte erstellen Sie einen Usernamen, um einen Kommentar abzugeben.

- GOOGLE-ANZEIGEN

SearchStorage.de

SearchNetworking.de

SearchEnterpriseSoftware.de

SearchDataCenter.de

Close